Es regnet, nicht nur so ein bisschen, sondern volle Pulle! Das sieht hier zwar „hübsch“ aus, ist aber ganz schön ungemütlich. Unsere spontanen Pläne Richtung etruskische Riviera werfen wir im wahrsten Sinne über Bord und ziehen den Städtetrip nach Siena einen Tag vor. Aber zuerst halten wir noch einmal in Volterra, wo Yvonne ihr Interview mit der Touristiktante führt und Franz nochmal im Enj@y enjoyt. Gestärkt mit doppeltem Kaffee Macchiato schippern wir dann die gut 50 km gen Siena.
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Nachdem wir Bilder vom Stadion im Internet gesehen haben, begräbt selbst Franz den spontanen Funken, das Erstliga-Match zwischen Siena und Palermo zu besuchen. Siena ist eh nicht bekannt für seinen Fußball, sondern für Dom, Uni, Piazza del Campo und seinen Jahrhunderte alten Konkurrenzkampf mit Florenz. Auf Touristen ist man hier scheinbar eingestellt. Vom Parkhaus führt eine fünfteilige Rolltreppe bis kurz vor den Duomo in der hochgelegenen Altstadt – wie praktisch!
Es ist nass, es schüttet, also nichts wie rein in die edle Zebra-Kathedrale. Nur vor die Andacht hat Gott die Kasse gesetzt. Zwölf Tacken will man hier für den Eintritt sehen. Wir durchwühlen unsere Brieftaschen nach Ausweisen von Wert, also Rabatten, und ziehen den Joker: Der deutsche Schwerbehindertenausweis did the trick ohne ein Wort Englisch drauf, und auch die Begleitperson darf umsonst mit rein.
Der Dom ist wirklich eine Pracht, auch wenn man nicht den Eindruck hat, dass er noch in seiner eigentlichen Funktion in Benutzung ist. Den Fußboden schmücken ganze Szenen aus Marmorintarsien in schwarz – weiß – rot. Entlang des Hauptschiffes säumen an der Decke hunderte von Steinportraits die Seiten und besonders hat es uns natürlich wieder die kleine Bibliothek angetan, in der riesenhafte Gesangsbücher aus dem 15. Jhd., deren Seiten aus dünnen Leder sind, ausgestellt werden. Jede Menge Tierfiguren schmücken außerdem bunte Fahnen und Fresken und das hat seinen Grund: Alljährlich findet in Siena ein traditionelles Pferderennenspektakel auf der Piazza del Campo statt. Die zehn Stadtteile, repräsentiert von zum Beispiel Gans, Eule, Elefant, Einhorn oder Drache, treten gegeneinander an. Pferd und Reiter werden dabei im Losverfahren zusammengeführt, siegen kann aber nur der Gaul und das zur Not auch ohne Reiter. Dafür bekommt es dann auch einen eigenen Platz an der Tafel beim Festessen.
Im Moment sind aber weder Ross noch Reiter zu sehen, eher regnet es cats and dogs und daher ziehen wir mit unserem Superticket gleich noch weiter in das gegenüber befindliche Museum. Es ist bekannt für seine alten Fresken und da gleichzeitig eine Chorprobe stattfindet wird die sakrale Kunst äußerst stimmungsvoll untermalt. Interessant ist, dass es in Siena bereits im 14. und 15. Jahrhundert ein Gemeinwohlwesen gab, das nach heutigen Maßstäben (wieder) vorbildlich ist. Die Kirche wirkte hier als Hospital, half mit Armenspeisung und nahm sich verlassener Kinder solange an, bis diese mit Ausbildung im Beruf standen oder verheiratet waren! Doch irgendwann können wir den heiligen Bildchen und Holzstatuen nichts mehr abgewinnen und planschen weiter Richtung Piazza del Campo. Auf dem Weg dahin gibt es natürlich unser tägliches Eis, eine Sache, die sich der Italiener an sich auch bei miesestem Wetter nicht nehmen lässt. Danach versuchen wir noch ein wenig zu Bummel und den perfekt fächerförmigen Platz mit seiner beeindruckenden Größe und dem überragenden Turm entsprechend zu würdigen, aber es ist wirklich so ungemütlich, dass wir ohne unsere rettenden Ponchos endgültig beschließen die Segel zu streichen.
Ab zu BMFY, Sitzheizung an! Zum Glück ist unser Saab Drei-wetter-Tough, denn mittlerweile kommt es wie aus Eimern von oben herab. Witterungen mit der nicht jede toskanische Straße zurecht kommt. Als dann auch noch Nebel aufsteigt wird die Fahrt ins Häuschen doch noch anspruchsvoller. Immerhin konnten wir die Do-It-Yourself-Esso-Tankstelle bezwingen und hatten so endlich wieder den Tiger im Tank. Von kleinen hungrigen Wildkatzen wimmelte es auch beim Agro-Weinbauern in unserer Nachbarschaft, der seinen Trank und Öl direkt verkauft. Die Preise zeugen jedoch von gesundem beruflichen Selbstbewusstsein, welches wir nicht in dem Maße erwidern.
Zuhause angekommen gibt es ein fürstliches Resteessen: Bruschetta della Tutti Speciale, nur der Verdauungs-Sonntagsfilm danach fehlt in unserem Offline-Glück. Franz überlegt, ob die DVD-Beilage der Sportbild vom letzten Sommer noch im Fußraum liegt, doch liest stattdessen Yvonne italienische Sportschmankerl aus seinem Buch vor, ehe es ans Bloggen geht (Erde an Petrus). Heute hat es so viel geregnet (bzw. tut es immer noch), dass morgen die Wolken eigentlich leer und hoffentlich verschwunden sein müssten. Wer es besser weiß - wir freuen uns auf Eure Kommentare!
Sonntag, 2. Mai 2010
Samstag, 1. Mai 2010
09 San Gimignano – Volterra
Heute ist Feiertag, auch in Italien und bei uns. Wir schlafen gemütlich aus, drehen uns noch zweimal nach rechts und links bevor wir mit einem ausgiebigen Frühstück auf der einer unserer Terrassen den Tag beginnen. Neben Caprese, Fenchelsalami & Co gibt es den Kicker und eine Glamour – endlich Urlaub ;)!
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Gemütlich machen wir uns mittags auf nach San Gimignano, denn eine Stadt, die ein Sight an sich ist, erscheint uns an einem nationalen Feiertag ein gutes Ziel. Auf dem Weg herrscht heute reges Treiben, Salamander, Kröten und anderes Getier kreuzen unseren Weg. San Gimignano liegt wie Volterra auf einer Anhöhe und protzte im 14. Jahrhundert mit 72 Familien-Macht-Türmen, von denen heute noch 14 erhalten sind. Von weitem wird die Stadtsilhouette mangels Größenverhältnisvorstellung beim Betrachten gerne mit Manhattan verglichen. Heute hat San Gimignano, dass Yvonne vor 14 Jahren als verschlafenes Örtchen kennengelernt hat, leider tatsächlich was vom Big Apple, denn halb Italien und alle Touristen haben sich aufgemacht heute den innerhalb der Stadtmauern komplett mittelalterlichen Ort zu erkunden.
Es ist ein Geschiebe wie auf dem Weihnachtsmarkt und wie dort bieten auch alle Geschäfte ungefähr das gleiche an, nämlich im Wechsel Wurst, Wein & Gebäck, dann bemalte Keramik, dann Trikots und merkwürdige Geschmacklosigkeiten bevor es wieder losgeht mit Wurst...
Zumindest kommt hier keine Einsamkeit auf, ein Gefühl, dass wir von unserer Villa kennen, bei der wir uns beide einig sind, dass wir alleine dort nicht wohnen wollen würden. Wir schlängeln also weiter durch die Gassen von San Gimignano, haben aber schon nach zwei Stunden genug und begeben uns zurück nach Volterra, um im Internetcafé des Ortes unseren Blog zu aktualisieren und mal zu gucken wie teuer die Twilight-Führung ist, bzw. was diese umfasst.
Genau um 18.°° Uhr, also mit Toresschluss, betreten wir die Touristikzentrale. Die Twilight-Tour soll 30 Euro pro Person kosten und zeigt einige Stationen des Films, wie ein paar mysteriöse Orte, zu denen sich die Österreichische Angestellte nicht näher auslassen will. Dafür sichert sie mir freudig ein Interview am nächsten Morgen zu, betont, dass der Spiegel, die Zeit und RTL ja auch gerade da waren (O-Ton: „Ich will ja nicht protzen..“) und sorgt dafür, dass wir gratis noch schnell zur gerade begonnenen Führung dazustoßen können. Unsere Guide ist Niederländerin aus Den Bosch, die bereits 30 Jahre in Volterra wohnt, und sich sehr darüber freut mit Franz kleine Schwätzchen auf Holländisch zu halten.
Ansonsten „folgen“ wir dem Weg, den Alice Cullen mit dem gelben Porsche im Film „New Moon“ zurückgelegt hat. Der Rest wurde, obwohl das Buch ausschließlich von Volterra ausgeht, in Montepulciano gedreht. Darüber wird in der Führung aber lässig hinweggegangen, stattdessen führt man die Meute in dunkle Gassen die „vampirgeeignet sein könnten“ und macht das aber ganz charmant. Toll ist, dass wir so die alten römischen Amphitheateranlagen zu sehen bekommen, die wir zuvor im Alleingang nicht gefunden hatten. Volterra ist nämlich von Erdrutschen bedroht und bei einem dieser Erdrutsche vor 60 Jahren wurde diese römische Stätte entdeckt. Überhaupt ist Volterra wirklich interessant, da hier Etruskerzeit (ab 800 v. Chr.), römisches Imperium, Mittelalter und Renaissance sichtbar ihre Spuren hinterließen.
Schließlich wird die Gruppe unter Tage geführt, in einen Hintereingang der auffällig mit dunkelroten Fahnen markiert ist und in etruskischer Schrift „Volturi“ überm Eingang trägt. Klarer Fall, hier ist der geheime Eingang zum Reich der Vampire. Dunkel genug ist es jedenfalls und daher auch irgendwie richtig lebensgefährlich, denn die unregelmäßigen, alten Stufen führen tief hinab in einen Keller und man sieht die Hand vor Augen nicht. Dazu erklingt „Claire de Lune“ von Debussy, ein weiteres Twilight-Schmankerl. Unten angekommen wird offensichtlich das enge Kellergewölbe mit einer Kette verschlossen und nur ein paar Kerzen geben die Sicht frei auf zwei in schwarze Umhänge gewandete Gestalten. Diese schwärmen jetzt aus, um sich einzelne aus der Touristengruppe auszusuchen und beweisen guten Geschmack, indem sie als allererstes Francois auswählen, der als einziger in der ganzen Gruppe von Tuten und Blasen in Sachen Twilight keine Ahnung hat. Er wird einem dritten Schwarzkittel übergeben, der seine Hände schweigend ausgiebig betrachtet und ihn dann auf einen alten Stuhl im Hintergrund führt. Die Szene hat was von gruftigen Hänsel und Gretel, aber auch das geht vorbei, das Licht geht etwas an und wir sehen, dass wir uns in einer Kneipe befinden, wo jetzt Wein, Wurst & Gebäck angeboten wird, während sich die Twilight-Fans auf einer Wand verewigen dürfen und die Volturi-Studenten etwas verloren in ihren schwarzen Umhängen rumstehen. Franz wollte auf den Schrecken nur ein kleines Schlückchen „Blutwein“ haben, weil er ja noch fahren müsste, wie er dem Kellner mitteilt. Der bemerkt nur „es gibt auch andere Probleme“ und macht das Glas randvoll.
Mit etwas Verzögerung kommen wir schließlich im Enj@y-Café an, wo’s endlich ans Bloggen geht, begleitet von italienischen Fußballübertragungen. Nach getaner Tat gondeln wir zurück in unser Villen-Nest und kochen uns Telefonschnur-Spaghetti mit Restesoße, die ganz hervorragend schmecken, dazu gibt es einen Ruffino aus der Region.
Unsere ursprüngliche Planung morgen die Therme di Saturnia – natürliche Schwefelquellen auf Tuffsteintreppen-Wasserfall, Pitigliano, eine Tuffsteinstadt, und den Niki de Saint Phalle-Garten zu machen, lassen wir bedauernd fallen und schwächeln doch mal, denn das hieße mindestens 7-8 Stunden Autofahrt morgen und das ist auf den gefährlichen Landstraßen kein Urlaub, sondern eher eine Strafe. Diese Punkte seien interessierten Italien-Urlaubern aber trotzdem sehr ans Herz gelegt. Mal gucken was uns morgen stattdessen einfällt.
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Gemütlich machen wir uns mittags auf nach San Gimignano, denn eine Stadt, die ein Sight an sich ist, erscheint uns an einem nationalen Feiertag ein gutes Ziel. Auf dem Weg herrscht heute reges Treiben, Salamander, Kröten und anderes Getier kreuzen unseren Weg. San Gimignano liegt wie Volterra auf einer Anhöhe und protzte im 14. Jahrhundert mit 72 Familien-Macht-Türmen, von denen heute noch 14 erhalten sind. Von weitem wird die Stadtsilhouette mangels Größenverhältnisvorstellung beim Betrachten gerne mit Manhattan verglichen. Heute hat San Gimignano, dass Yvonne vor 14 Jahren als verschlafenes Örtchen kennengelernt hat, leider tatsächlich was vom Big Apple, denn halb Italien und alle Touristen haben sich aufgemacht heute den innerhalb der Stadtmauern komplett mittelalterlichen Ort zu erkunden.
Es ist ein Geschiebe wie auf dem Weihnachtsmarkt und wie dort bieten auch alle Geschäfte ungefähr das gleiche an, nämlich im Wechsel Wurst, Wein & Gebäck, dann bemalte Keramik, dann Trikots und merkwürdige Geschmacklosigkeiten bevor es wieder losgeht mit Wurst...
Zumindest kommt hier keine Einsamkeit auf, ein Gefühl, dass wir von unserer Villa kennen, bei der wir uns beide einig sind, dass wir alleine dort nicht wohnen wollen würden. Wir schlängeln also weiter durch die Gassen von San Gimignano, haben aber schon nach zwei Stunden genug und begeben uns zurück nach Volterra, um im Internetcafé des Ortes unseren Blog zu aktualisieren und mal zu gucken wie teuer die Twilight-Führung ist, bzw. was diese umfasst.
Genau um 18.°° Uhr, also mit Toresschluss, betreten wir die Touristikzentrale. Die Twilight-Tour soll 30 Euro pro Person kosten und zeigt einige Stationen des Films, wie ein paar mysteriöse Orte, zu denen sich die Österreichische Angestellte nicht näher auslassen will. Dafür sichert sie mir freudig ein Interview am nächsten Morgen zu, betont, dass der Spiegel, die Zeit und RTL ja auch gerade da waren (O-Ton: „Ich will ja nicht protzen..“) und sorgt dafür, dass wir gratis noch schnell zur gerade begonnenen Führung dazustoßen können. Unsere Guide ist Niederländerin aus Den Bosch, die bereits 30 Jahre in Volterra wohnt, und sich sehr darüber freut mit Franz kleine Schwätzchen auf Holländisch zu halten.
Ansonsten „folgen“ wir dem Weg, den Alice Cullen mit dem gelben Porsche im Film „New Moon“ zurückgelegt hat. Der Rest wurde, obwohl das Buch ausschließlich von Volterra ausgeht, in Montepulciano gedreht. Darüber wird in der Führung aber lässig hinweggegangen, stattdessen führt man die Meute in dunkle Gassen die „vampirgeeignet sein könnten“ und macht das aber ganz charmant. Toll ist, dass wir so die alten römischen Amphitheateranlagen zu sehen bekommen, die wir zuvor im Alleingang nicht gefunden hatten. Volterra ist nämlich von Erdrutschen bedroht und bei einem dieser Erdrutsche vor 60 Jahren wurde diese römische Stätte entdeckt. Überhaupt ist Volterra wirklich interessant, da hier Etruskerzeit (ab 800 v. Chr.), römisches Imperium, Mittelalter und Renaissance sichtbar ihre Spuren hinterließen.
Schließlich wird die Gruppe unter Tage geführt, in einen Hintereingang der auffällig mit dunkelroten Fahnen markiert ist und in etruskischer Schrift „Volturi“ überm Eingang trägt. Klarer Fall, hier ist der geheime Eingang zum Reich der Vampire. Dunkel genug ist es jedenfalls und daher auch irgendwie richtig lebensgefährlich, denn die unregelmäßigen, alten Stufen führen tief hinab in einen Keller und man sieht die Hand vor Augen nicht. Dazu erklingt „Claire de Lune“ von Debussy, ein weiteres Twilight-Schmankerl. Unten angekommen wird offensichtlich das enge Kellergewölbe mit einer Kette verschlossen und nur ein paar Kerzen geben die Sicht frei auf zwei in schwarze Umhänge gewandete Gestalten. Diese schwärmen jetzt aus, um sich einzelne aus der Touristengruppe auszusuchen und beweisen guten Geschmack, indem sie als allererstes Francois auswählen, der als einziger in der ganzen Gruppe von Tuten und Blasen in Sachen Twilight keine Ahnung hat. Er wird einem dritten Schwarzkittel übergeben, der seine Hände schweigend ausgiebig betrachtet und ihn dann auf einen alten Stuhl im Hintergrund führt. Die Szene hat was von gruftigen Hänsel und Gretel, aber auch das geht vorbei, das Licht geht etwas an und wir sehen, dass wir uns in einer Kneipe befinden, wo jetzt Wein, Wurst & Gebäck angeboten wird, während sich die Twilight-Fans auf einer Wand verewigen dürfen und die Volturi-Studenten etwas verloren in ihren schwarzen Umhängen rumstehen. Franz wollte auf den Schrecken nur ein kleines Schlückchen „Blutwein“ haben, weil er ja noch fahren müsste, wie er dem Kellner mitteilt. Der bemerkt nur „es gibt auch andere Probleme“ und macht das Glas randvoll.
Mit etwas Verzögerung kommen wir schließlich im Enj@y-Café an, wo’s endlich ans Bloggen geht, begleitet von italienischen Fußballübertragungen. Nach getaner Tat gondeln wir zurück in unser Villen-Nest und kochen uns Telefonschnur-Spaghetti mit Restesoße, die ganz hervorragend schmecken, dazu gibt es einen Ruffino aus der Region.
Unsere ursprüngliche Planung morgen die Therme di Saturnia – natürliche Schwefelquellen auf Tuffsteintreppen-Wasserfall, Pitigliano, eine Tuffsteinstadt, und den Niki de Saint Phalle-Garten zu machen, lassen wir bedauernd fallen und schwächeln doch mal, denn das hieße mindestens 7-8 Stunden Autofahrt morgen und das ist auf den gefährlichen Landstraßen kein Urlaub, sondern eher eine Strafe. Diese Punkte seien interessierten Italien-Urlaubern aber trotzdem sehr ans Herz gelegt. Mal gucken was uns morgen stattdessen einfällt.
Freitag, 30. April 2010
08 Florenz
Obwohl wir ganz in Ruhe früh um halb zehn aus dem Bettchen krabbeln, wird es dann doch noch ganz eng. Heute steht Florenz auf dem Plan, das etwa gut 70 km von unserem Häuschen entfernt liegt. Organisiert wie wir sind, haben wir natürlich schon Tickets für die Uffizien, dem italienischen Louvre, online gebucht, da wir keine zwei Stunden anstehen wollen. Unser Zeitfenster: 12.15 Uhr, dann haben wir Einlass.
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Die erste Hälfte der Strecke in die toskanische Hauptstadt verläuft wieder komplett über Landstraße. Wieder ist das Wetter großartig, die Aussicht atemberaubend (Yvonne: und der Gegenverkehr auch...). Die Straßen sind im guten Zustand, eine Kurve folgt der nächsten, es macht richtig Spaß über die Piste zu düsen (Yvonne: Als Beifahrer nicht), Virgin Radio haben wir bereits eingespeichert.
Die tollen Landstraßen stehen ganz im Kontrast zu den toskanischen Autobahnen. Eng, zweispurig ohne Standstreifen und im MISERABLEN Zustand. Die A40 ist das Paradies im Vergleich. Die Autostrada gen Firenze kennt Schlaglöcher, wie sie sonst nur die NASA erforscht. Nicht mal in der Nase bohren kann man, beide Hände umklammern das Lenkrad (Yvonne: hihi!). Immerhin – oder gerade deshalb – ist die Maut hier am billigsten: 40 cent, dafür lohnt sich der Aufwand auch nicht. Normaler Italo-Kurs bisher: gut 1 Euro pro 10 km! Allerdings nicht auf allen Streckenabschnitten. Tom-Tom glänzt wieder einmal, in dem er vor allen Blitzern lautstark warnt.
Die 12.15 werden knapp, als wir von Süden die Stadt hineinfahren. Das Zentrum ist verkehrsberuhigt, am Arno-Ufer finden wir jedoch nach einer ersten Erkundungsrunde einen zufriedenstellenden Parkplatz. Kostete das Stehen in Turin teilweise noch 4 € die Stunde, sind wir überrascht, dass wir für 7 € bis 18:45 hier so prima bleiben können. Pünktlich um Viertel nach 12 erreichen wir den Eingang der Uffizien, allerdings den falschen. Beim richtigen erfahren wir, dass der Holländer aus Deutschland mit dem französischen Namen entweder als 24-jähriger für die Hälfte, oder als Journalist für Umme reingekommen wäre, Yvonne auch. Egal, wir sind heute in der Mission als Touristen unterwegs und ignorieren auch genau so ahnungslos die „Fotografieren verboten“-Schilder im Gebäude. Wir sind schließlich in Italien, hier sieht man es mit der Pünktlichkeit wie mit den Verboten nicht so eng. Bevor wir jedoch richtig loslegen, brauchen wir ein kleines Frühstück, welches hier auf der Dachterrasse serviert wird. Danach schlendern wir durch die Gänge, freuen uns über Dürer, Cranach, Tintoretto, Tizian, da Vinci, Rembrandt und andere holländische Meister. Das Highlight sind natürlich Boticellis Venus und der Frühling.
Kunstvoll geht es auch nach Verlassen des Museums weiter: Auf dem Vorplatz stehen unzählige Repliken großer Meister herum, darunter der nackte David. Florenz ist von Touristen stark frequentiert, auch sehr touristisch wenn man sich die zig Souvenirläden und –artikel ansieht, allerdings nicht neppig wie Pisa. Wer an den gut sortierten Lederständen nichts kaufen will, wird nicht bedrängt oder überredet. Man kann angenehm bummeln und das tun wir, sogar mit Erfolg. Franz findet hier sein violettes, gut gefälschtes Trikotschnäppchen der Fiorentina, Yvonne unter anderem eine helle Lederhandtasche, die unauffällig der Prada Vitello ähnelt. Auch hier findet sich ein bronzenes Wildschwein, wir vermuten, dass das Wildschwein, was hier omnipräsent auch als Stofftier und Anhänger gehandelt wird, ein Zeichen der Medici war, können das aber mangels Internet und Italienischkenntnissen nicht nachprüfen. Jedenfalls streichelt Franz willige die schon blankgeriebene Schnauze – soll ja Glück bringen.
Vom Leder zum Gold: An der Ponte Vecchio machen wir nach unserem täglich Eis einen auf Schalke 04: Nur gucken, nicht anfassen. Ganz früher residierten hier die Fleischer, doch den Gestank waren die Herrscher bald Leid und siedelten Goldschmiede hier auf der noch erhaltenen Brücke an. Neben der, die wir in Bath bei unserer letzten Sommerreise gesehen haben, ist die Ponte Vecchio eine von vier noch erhaltenen bebauten Brücken in dieser Art weltweit.
Nach einem Bummel führt unser letzter Abstecher natürlich noch zum Duomo, der farblich auffällt. Grün-Weiß-Roter Marmor, Italiens Farben, zieren Dom, Campagnile und das Baptisterium. Hier manifestierte sich die geistliche Macht des alten Florenz, das der politischen Macht mit Uffizien und Palazzo Pitti, etc. also auch örtlich gegenüberstand.
Überall rüstet man sich für den morgigen Nationalfeiertag und wir merken, dass etwas Bevorratung für die kommenden Tage keine schlechte Idee wäre. Also schlendern wir shoppend zurück zum Auto und halten auf der Rückfahrt nach Volterra Ausschau nach einem Groß-Supermarkt, nachdem wir über eine Aussichtsplattform einen tollen Blick über Firenze werfen durften. Erst nach gut zwanzig Kilometern entdeckt Franz zwischen zwei Bäumen ein kleines Coop-Logo. Direkt die Ausfahrt genommen und mittendrin im Ausnahmezustand.
Mit Glück finden wir eine halblegale Parklücke in zweiter Reihe. Erst nach Minuten kann sich Franz noch einen freien Einkaufswagen krallen – Feiertag in Italien heißt nämlich „alles was drin ist“. Siebenspurig steht man im Markt teilweise nebeneinander, oft durcheinander – Szenen wie im italienischen Straßenverkehr. Es wird gegrabscht, gerochen, ausgetauscht, gerafft, progressiv angestanden und lauthals krakelt. Massen sind in Bewegung, alles wird in den Einkaufswagen geschmissen, viel ist eh nicht mehr übrig, obwohl es sich um einen Hypermarkt handelt. Salat? Seit Stunden ausverkauft. Brot? Nur noch das harte, aber immerhin typische, aus der Toskana. Tomaten? Nur die ganz kleinen. Wir lassen uns von der Apokalypse anstecken und finden endlich alle Köstlichkeiten, nach denen wir suchen und decken uns ein: Pesto, Pasta, Wein, Milch, Schinken, Salami, Käse, Öl, Essig, Gewürze, Dolci, Mozzarella, Gemüse, Backwaren, Basilikum – das Wochenende kann kommen. Alle Lebensmittel stecken hier unsere Feinkostfuzzies dreimal in die Tasche. Frische, Saftigkeit – und am Ende auch der Preis, sind unschlagbar. Hier bekommt alle Artikel nach Wunsch aus der Region, auch in Bio aber das ist gar nicht mehr nötig.
Hungrig fahren wir die letzte Streckenhälfte nach Hause. Die ach so tolle Landstraße ist bei Einbruch der Dunkelheit weitaus weniger attraktiv. Doch Ferrari-Franzo hat heute Schwein gehabt: Erst in Florenz eins gestreichelt, dann eine ganze Familie verschont. In einer schmalen S-Schikane überqueren ein Eber, eine Bache mit Frischlingen die Straße. Dank Fernlicht konnten wir anhalten und eine gute Reise wünschen, sonst hätte es die auch noch auf der Speiseplatte gegeben.
Die Haustür ist kaum auf, da kocht schon das Wasser für die frischen Ravioli. Wir lassen es uns gut gehen, zum Bloggen gibt’s heute zur Feier des Tages Schweinewein, und zwar einen 2008er Ventoso Morellino de Scansano (www.morrellinodescansano.it) samt Hausschwein-Etikett. Egal was die nächsten Tage kommt, wir werden nicht verhungern..., aber das dachtet ihr auch nicht, oder?
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Die erste Hälfte der Strecke in die toskanische Hauptstadt verläuft wieder komplett über Landstraße. Wieder ist das Wetter großartig, die Aussicht atemberaubend (Yvonne: und der Gegenverkehr auch...). Die Straßen sind im guten Zustand, eine Kurve folgt der nächsten, es macht richtig Spaß über die Piste zu düsen (Yvonne: Als Beifahrer nicht), Virgin Radio haben wir bereits eingespeichert.
Die tollen Landstraßen stehen ganz im Kontrast zu den toskanischen Autobahnen. Eng, zweispurig ohne Standstreifen und im MISERABLEN Zustand. Die A40 ist das Paradies im Vergleich. Die Autostrada gen Firenze kennt Schlaglöcher, wie sie sonst nur die NASA erforscht. Nicht mal in der Nase bohren kann man, beide Hände umklammern das Lenkrad (Yvonne: hihi!). Immerhin – oder gerade deshalb – ist die Maut hier am billigsten: 40 cent, dafür lohnt sich der Aufwand auch nicht. Normaler Italo-Kurs bisher: gut 1 Euro pro 10 km! Allerdings nicht auf allen Streckenabschnitten. Tom-Tom glänzt wieder einmal, in dem er vor allen Blitzern lautstark warnt.
Die 12.15 werden knapp, als wir von Süden die Stadt hineinfahren. Das Zentrum ist verkehrsberuhigt, am Arno-Ufer finden wir jedoch nach einer ersten Erkundungsrunde einen zufriedenstellenden Parkplatz. Kostete das Stehen in Turin teilweise noch 4 € die Stunde, sind wir überrascht, dass wir für 7 € bis 18:45 hier so prima bleiben können. Pünktlich um Viertel nach 12 erreichen wir den Eingang der Uffizien, allerdings den falschen. Beim richtigen erfahren wir, dass der Holländer aus Deutschland mit dem französischen Namen entweder als 24-jähriger für die Hälfte, oder als Journalist für Umme reingekommen wäre, Yvonne auch. Egal, wir sind heute in der Mission als Touristen unterwegs und ignorieren auch genau so ahnungslos die „Fotografieren verboten“-Schilder im Gebäude. Wir sind schließlich in Italien, hier sieht man es mit der Pünktlichkeit wie mit den Verboten nicht so eng. Bevor wir jedoch richtig loslegen, brauchen wir ein kleines Frühstück, welches hier auf der Dachterrasse serviert wird. Danach schlendern wir durch die Gänge, freuen uns über Dürer, Cranach, Tintoretto, Tizian, da Vinci, Rembrandt und andere holländische Meister. Das Highlight sind natürlich Boticellis Venus und der Frühling.
Kunstvoll geht es auch nach Verlassen des Museums weiter: Auf dem Vorplatz stehen unzählige Repliken großer Meister herum, darunter der nackte David. Florenz ist von Touristen stark frequentiert, auch sehr touristisch wenn man sich die zig Souvenirläden und –artikel ansieht, allerdings nicht neppig wie Pisa. Wer an den gut sortierten Lederständen nichts kaufen will, wird nicht bedrängt oder überredet. Man kann angenehm bummeln und das tun wir, sogar mit Erfolg. Franz findet hier sein violettes, gut gefälschtes Trikotschnäppchen der Fiorentina, Yvonne unter anderem eine helle Lederhandtasche, die unauffällig der Prada Vitello ähnelt. Auch hier findet sich ein bronzenes Wildschwein, wir vermuten, dass das Wildschwein, was hier omnipräsent auch als Stofftier und Anhänger gehandelt wird, ein Zeichen der Medici war, können das aber mangels Internet und Italienischkenntnissen nicht nachprüfen. Jedenfalls streichelt Franz willige die schon blankgeriebene Schnauze – soll ja Glück bringen.
Vom Leder zum Gold: An der Ponte Vecchio machen wir nach unserem täglich Eis einen auf Schalke 04: Nur gucken, nicht anfassen. Ganz früher residierten hier die Fleischer, doch den Gestank waren die Herrscher bald Leid und siedelten Goldschmiede hier auf der noch erhaltenen Brücke an. Neben der, die wir in Bath bei unserer letzten Sommerreise gesehen haben, ist die Ponte Vecchio eine von vier noch erhaltenen bebauten Brücken in dieser Art weltweit.
Nach einem Bummel führt unser letzter Abstecher natürlich noch zum Duomo, der farblich auffällt. Grün-Weiß-Roter Marmor, Italiens Farben, zieren Dom, Campagnile und das Baptisterium. Hier manifestierte sich die geistliche Macht des alten Florenz, das der politischen Macht mit Uffizien und Palazzo Pitti, etc. also auch örtlich gegenüberstand.
Überall rüstet man sich für den morgigen Nationalfeiertag und wir merken, dass etwas Bevorratung für die kommenden Tage keine schlechte Idee wäre. Also schlendern wir shoppend zurück zum Auto und halten auf der Rückfahrt nach Volterra Ausschau nach einem Groß-Supermarkt, nachdem wir über eine Aussichtsplattform einen tollen Blick über Firenze werfen durften. Erst nach gut zwanzig Kilometern entdeckt Franz zwischen zwei Bäumen ein kleines Coop-Logo. Direkt die Ausfahrt genommen und mittendrin im Ausnahmezustand.
Mit Glück finden wir eine halblegale Parklücke in zweiter Reihe. Erst nach Minuten kann sich Franz noch einen freien Einkaufswagen krallen – Feiertag in Italien heißt nämlich „alles was drin ist“. Siebenspurig steht man im Markt teilweise nebeneinander, oft durcheinander – Szenen wie im italienischen Straßenverkehr. Es wird gegrabscht, gerochen, ausgetauscht, gerafft, progressiv angestanden und lauthals krakelt. Massen sind in Bewegung, alles wird in den Einkaufswagen geschmissen, viel ist eh nicht mehr übrig, obwohl es sich um einen Hypermarkt handelt. Salat? Seit Stunden ausverkauft. Brot? Nur noch das harte, aber immerhin typische, aus der Toskana. Tomaten? Nur die ganz kleinen. Wir lassen uns von der Apokalypse anstecken und finden endlich alle Köstlichkeiten, nach denen wir suchen und decken uns ein: Pesto, Pasta, Wein, Milch, Schinken, Salami, Käse, Öl, Essig, Gewürze, Dolci, Mozzarella, Gemüse, Backwaren, Basilikum – das Wochenende kann kommen. Alle Lebensmittel stecken hier unsere Feinkostfuzzies dreimal in die Tasche. Frische, Saftigkeit – und am Ende auch der Preis, sind unschlagbar. Hier bekommt alle Artikel nach Wunsch aus der Region, auch in Bio aber das ist gar nicht mehr nötig.
Hungrig fahren wir die letzte Streckenhälfte nach Hause. Die ach so tolle Landstraße ist bei Einbruch der Dunkelheit weitaus weniger attraktiv. Doch Ferrari-Franzo hat heute Schwein gehabt: Erst in Florenz eins gestreichelt, dann eine ganze Familie verschont. In einer schmalen S-Schikane überqueren ein Eber, eine Bache mit Frischlingen die Straße. Dank Fernlicht konnten wir anhalten und eine gute Reise wünschen, sonst hätte es die auch noch auf der Speiseplatte gegeben.
Die Haustür ist kaum auf, da kocht schon das Wasser für die frischen Ravioli. Wir lassen es uns gut gehen, zum Bloggen gibt’s heute zur Feier des Tages Schweinewein, und zwar einen 2008er Ventoso Morellino de Scansano (www.morrellinodescansano.it) samt Hausschwein-Etikett. Egal was die nächsten Tage kommt, wir werden nicht verhungern..., aber das dachtet ihr auch nicht, oder?
Donnerstag, 29. April 2010
07 Pisa – Lucca – Volterra
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Für unsere Weiterfahrt in die Toskana braucht Yvonne ganz dringend fünf frisch gepflückte Limonen aus Bartolomes (Herkules’ Sohn) Garten. Frisch sind wir bereits bei der Ankunft am Auto nicht mehr, denn mehr als eine Kilometer zerren wir unsere Koffer steil bergauf. Autofreie Zonen können auch ihre Nachteile haben. Immerhin haben wir so unser Workout schon am Vormittag hinter uns.
BMFY hatte genug Zeit zum Ausruhen, denn jetzt geht es wieder die Korkenzieher-Straße hoch und runter. An den Kreide-Anfeuerungen auf dem Asphalt erkennt man, dass hier die Giro d’Italia entlang flitzte. Das sagt alles über das Bergprofil aus. Streng genommen ist die Achterbahn bis La Spezia auch nur ein Fahrradweg – von der Breite her. In La Spezia, was Yvonne streckenweise an die Cote d’Azur erinnert, dann wieder an Rotterdam, sagen wir Ligurien „Bella Ciao!“ und tauchen ein in die Toskana, wo die Berge immer noch nicht verschwinden und wir eine erste Studie in Pisa durchführen.
Pisa ist in dem Sinne toll, weil alle Sights auf einem Haufen, dem Piazza dei Miraculi, zu finden sind: Auf der einen Seite der schiefe Turm (der ist wirklich ein bissle schräg), das Baptisterium und der Duomo, auf der anderen Seite der Touristen-Nepp aus Fernost. Die Trikots hier sind so schlecht gefälscht, dass selbst Franz die Finger davon lässt. Bereits am Parkplatz will man uns eine „natürlich echte“ Rolex andrehen (die Leute müssen da echt gut verdienen, wenn sie mit 40 Stück am Arm herumlaufen...), doch wir sind Turbotouristen und drehen einfach nur die obligatorische Runde, schießen die klassischen Fotos und sitzen nach weniger als einer Stunde schon wieder im Saab in Richtung Lucca.
Das etwa dreißig Kilometer entfernte Lucca ist quasi das Gegenteil von Pisa. Das historische Zentrum ist groß, die Stadt an sich ist ein Gesamtkunstwerk und von Nepp verschont, alles ist echt und nicht überlaufen. Studenten radeln durch die Fußgängerzone, hier ein Puccini-Denkmal, an der nächsten Ecke ein neues imposantes Gebäude. Highlight ist ein perfekt ovaler Marktplatz, der auf den Ruinen eines alten römischen Amphitheaters gebaut wurde. La Dolce Vita bei strahlendem Sonnenschein, in diesem Idyll gönnen wir uns in Ruhe einen kleinen Snack mit doppeltem Latte Macchiato und gehen nach zwei Stunden zurück zum Auto. Die Besonderheit: Lucca ist umringt von einer intakten Stadtmauer, auf der man laufen kann.
Bei Volterra wollen wir unser Quartier beziehen. Über das Internet haben wir ein kleines Ferienhäuschen für ein paar Tage gemietet. Volterra bot sich deshalb an, weil man von hier aus wunderbar sternförmig alle Ecken der Toskana anfahren kann. Nach den Alpen und den Serpentinen in Ligurien, schockt Franz nichts mehr, schon gar nicht die 70 Kilometer über Landstraßen-Alleen. Das Wetter ist herrlich, der Verkehr hält sich in Grenzen. Eine Kurve folgt der nächsten, die Strecke ist hügel- aber nicht bergig, und das typische Bilderbuch-Toskana-Panorama erstreckt sich bis zum Horizont. Die Straße gehört uns: Easy-Rider-Feeling und das Radio rockt mit.
Apropos: Die Radiosender sind ziemlich gewöhnungsbedürftig: 99% von ihnen spielen nur Songs bis 1982, senden Dauerwerbung und/oder quatschen die ganze Zeit. Ausnahmen sind: Radio Maria, wahrscheinlich direkt aus dem Vatikan. Der Sender ist komplett kirchlich und wer will kann um Punkt 12 Kirchenglockengebimmel auf der Autobahn bekommen. Wir bevorzugen aber Radio Virgin, hier gibt es immerhin 30% Songs, die nicht zuerst auf Vinyl erschienen sind. Skurril die Sendung „Rock in Translation“. Bekannte Lieder werden vorweg über der Musik ins italienische Übersetzt und das mit möglichst viel Pathos, um die selbe Stimmung einzufangen. „Wicked Game“ bekommt so eine höchst anzügliche Note.
Tom-Tom (Mille Grazie, Claire!) findet die angegebene Adresse der Villa Loghino bis zur letzten Kreuzung problemlos, aber dann... Sagen wir so: Wir kennen jetzt alle unsere hilfsbereiten italienischen Nachbarn (samt Hunden). Bei der vierten Kieseinfahrt sind wir endlich richtig. Das langgezogene Natursteinhaus unterteilt sich in mehrere kleine Ferienwohnungen und ein Haupthaus. Am Pool wird gerade wohl gearbeitet. Die Vermieterin Alessia ist nett aber verpeilt. Mit Händen und Füßen klappt die Verständigung jedoch wie immer. Neben uns nächtigt eine deutsche Familie aus BB, wie am S-Klasse AMG Benz (vier Auspuffrohre!) abzulesen ist. Hier hat man seine Ruhe, nachts ist es sehr dunkel, selbst der tiefe Vollmond trägt heute dunkelorange.
Nach unserer Ankunft ziehen wir schon wieder weiter, nämlich ins 8 km entfernte Volterra. Die Etruskerstadt (2500 Jahre alt!) ist eine der höchstgelegenen der Toskana. Die Aussicht bei der automobilen Besteigung ist wie gemalt. Hier kriegen die Reiseführer also ihre Landschaftsbildchen her...
Wir parken BMFY in die (nicht 2500 Jahre alte) Tiefgarage und begeben uns auf Nahrungssuche. Dabei streifen wir gaaaaaanz zufällig die Piazza dei Priori. Twilightsichere wissen natürlich sofort, dass es sich hier um den Hauptsitz der königlichen Volturi-Vampirfamilie handelt. Das weiß auch die Touristikzentrale, die hier mit entsprechenden abendlichen Führungen wirbt, um den Fans die Hoffnung auf ein paar bissige Eindrücke nicht zu nehmen. Franz möchte an dieser Stelle noch einmal betonen, dass WIR NICHT DESHALB HIER UNSER QUARTIER AUFSCHLAGEN. Yvonne sagt, nehmen wir trotzdem mit und plant ein spontanes Interview mit einem englischkundigen Touristikvampir. Ansonsten ist Volterra bis auf ein paar dezente Schaufensterauslagen vom Boom verschont geblieben. Die Stadt ist steinalt und größer als gedacht, vor Christus war Volterra sogar dreimal so groß wie heute. In den alten Gemäuern reihen sich nette Geschäfte, auf der Straße herrscht lebendiges Treiben.
Nach einer Runde entscheiden wir uns für eine typisch toskanische Trattoria, wo wir unseren Hunger auf Steak mit Salat stillen, wobei wir uns nur aufwärmen für die Königsmahlzeit, das Florentiner Steak, doch zu diesem Brocken morgen mehr. Nach einem Verdauungsspaziergang mit dem obligatorischen Eis gönnt sich auch Tom-Tom mal eine Auszeit.
In unserem Häuschen packen wir unsere Sachen aus, schauen die Fotos des Tages an (wie waren heutemorgen noch tatsächlich in Vernazza...), bloggen und gönnen uns ein (oder zwei) Gläschen Chianti. Gleich heißt es: Florenz vorbereiten, denn die Hauptstadt der Region steht morgen an.
Mittwoch, 28. April 2010
06 Cinque Terre
Heute hetzt uns keiner. Wir drehen noch eine Extrarunde in den Laken und zum Pre-Frühstück presst Yvonne eine frisch gepflückte Mega-Zitrone aus dem eigenen Garten. Den täglichen Latte Macchiato und das saftige Bruschetta gibt’s im Piratencafé am Ortseingang. Das Wetter könnte besser gar nicht sein. Blauer Himmel, strahlender Sonnenschein, ein wenig, aber nicht zu heiß.
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Nachdem wir gestern die Etappe von Monterosso bis Vernazza gewandert, beziehungsweise geklettert sind, steht heute der Rest des Cinque Terre an, also die Route von Vernazza über Corniglia, Manarola bis schließlich Riomaggiore. Wir folgen der rot-weißen Markierung und direkt geht es wieder mit vielen Stufen los, denn Corniglia liegt nicht am Wasser, sondern 500 Meter über dem Meeresspiegel. Zum Glück ist der Pfad jedoch nicht ganz so schmal wie der gestrige.
Je länger wir laufen, umso deutlicher wird, dass wir die eigentliche Königsetappe bereits absolviert haben. Dennoch bleibt die Strecke anspruchsvoll, auch weil die Mittagssonne knallt. Besonders hübsch ist, dass der Weg durch viele Olivenhaine führt, die bei gutem Wetter silbrig glänzen. Salamander und Schmetterlinge schwirren um uns herum. Angekommen in Corniglia erkunden wir das Dorf und nehmen im Schatten ein Eis (Y) und eine Lemon-Soda (F) zur Erfrischung. Natürlich besticht der Ort durch seine fantastische Aussicht.



Die weitere Wanderung entwickelt sich im wahrsten Sinne zum Spaziergang. Der Weg – allerdings toll direkt am Meer gelegen – ist gepflastert und flach. Die Stunde nach Manarola vergeht wie im Flug. Hier gönnt Franz sich sein tägliches Eis, Yvonne isst ganz uneigennützig eins mit. Hier fällt besonders auf, dass in der „Hauptstraße“ viele Boote „geparkt“ sind.
Die letzte Etappe soll nicht nur die kürzeste und einfachste sein, sondern trägt zudem den romantischen Namen „Via dell’ Amore“. Liebende aus aller Welt können hier nebeneinander(!) die zwanzig Minuten bis ins Ziel Riomaggiore schlendern. Was wir nicht wussten: Als Zeichen der Liebe bringen die Paare Schlösser mit, die sie an der Strecke anbringen. Natürlich darf entsprechendes Graffiti nicht fehlen, selbst vor Initialen in Kakteen wird nicht zurückgeschreckt. Ansonsten zieren Gedichte oder Sprüche von Poeten, die die Region besucht haben, den Pfad. Zwar hätten wir uns auch gerne symbolisch verewigt, aber Franz bemerkt zu Recht, dass er das Schloss für uns ja bereits im Namen trägt. Um uns herum herrscht eher Pärchenmangel, wir sind umzingelt von weiblichen Senioren vor allem aus Kanada.






In unserer Endstation Riomaggiore bummeln wir entspannt und überraschend fit durch die Gassen. Das hübsche silberne Blumen-Armband bekommt Yvonne von Franz geschenkt, und danach gibt’s Dosenbier an der Hafenklippe.






Nach einer Stunde Schmoren machen auch endlich die Restaurants auf. Die Karte des„Il Grottino“ hatte es uns bereits während unserer ersten Runde angetan und jetzt sitzen wir als erste Gäste am Tisch. Heute wird nicht geteilt, uns beiden läuft bei Kastanientagiatelle mit Vogolemuscheln und Pesto das Wasser im Munde zusammen. Dazu gibt es Caprese und gegrilltes Gemüse, hmmmmm...

Zufrieden füllen wir unsere Dosenbiervorräte auf, im Feinkostladen kosten die nämlich nur einen schlappen Euro pro Stück (wer sagt, dass man Bier und Wein nicht mischen kann?), und steigen in den Zug nach Vernazza. Hier drehen wir noch eine Abschiedsrunde, winken dem Meer und pflanzen uns auf die eigene Zitronen-Terrasse. Allerdings nur für gut eine halbe Stunde, denn Franz hat berechtigte Hoffnung, das RAI Uno das Champions-League-Halbfinale zwischen Barcelona und Inter überträgt. Fast hätte der belgische Schiri das Match verpfiffen, doch am Ende lachen die Italiener. Jetzt wird noch gepackt, denn morgen geht es weg von der Küste in die Toskana.
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Nachdem wir gestern die Etappe von Monterosso bis Vernazza gewandert, beziehungsweise geklettert sind, steht heute der Rest des Cinque Terre an, also die Route von Vernazza über Corniglia, Manarola bis schließlich Riomaggiore. Wir folgen der rot-weißen Markierung und direkt geht es wieder mit vielen Stufen los, denn Corniglia liegt nicht am Wasser, sondern 500 Meter über dem Meeresspiegel. Zum Glück ist der Pfad jedoch nicht ganz so schmal wie der gestrige.
Je länger wir laufen, umso deutlicher wird, dass wir die eigentliche Königsetappe bereits absolviert haben. Dennoch bleibt die Strecke anspruchsvoll, auch weil die Mittagssonne knallt. Besonders hübsch ist, dass der Weg durch viele Olivenhaine führt, die bei gutem Wetter silbrig glänzen. Salamander und Schmetterlinge schwirren um uns herum. Angekommen in Corniglia erkunden wir das Dorf und nehmen im Schatten ein Eis (Y) und eine Lemon-Soda (F) zur Erfrischung. Natürlich besticht der Ort durch seine fantastische Aussicht.



Die weitere Wanderung entwickelt sich im wahrsten Sinne zum Spaziergang. Der Weg – allerdings toll direkt am Meer gelegen – ist gepflastert und flach. Die Stunde nach Manarola vergeht wie im Flug. Hier gönnt Franz sich sein tägliches Eis, Yvonne isst ganz uneigennützig eins mit. Hier fällt besonders auf, dass in der „Hauptstraße“ viele Boote „geparkt“ sind.
Die letzte Etappe soll nicht nur die kürzeste und einfachste sein, sondern trägt zudem den romantischen Namen „Via dell’ Amore“. Liebende aus aller Welt können hier nebeneinander(!) die zwanzig Minuten bis ins Ziel Riomaggiore schlendern. Was wir nicht wussten: Als Zeichen der Liebe bringen die Paare Schlösser mit, die sie an der Strecke anbringen. Natürlich darf entsprechendes Graffiti nicht fehlen, selbst vor Initialen in Kakteen wird nicht zurückgeschreckt. Ansonsten zieren Gedichte oder Sprüche von Poeten, die die Region besucht haben, den Pfad. Zwar hätten wir uns auch gerne symbolisch verewigt, aber Franz bemerkt zu Recht, dass er das Schloss für uns ja bereits im Namen trägt. Um uns herum herrscht eher Pärchenmangel, wir sind umzingelt von weiblichen Senioren vor allem aus Kanada.






In unserer Endstation Riomaggiore bummeln wir entspannt und überraschend fit durch die Gassen. Das hübsche silberne Blumen-Armband bekommt Yvonne von Franz geschenkt, und danach gibt’s Dosenbier an der Hafenklippe.






Nach einer Stunde Schmoren machen auch endlich die Restaurants auf. Die Karte des„Il Grottino“ hatte es uns bereits während unserer ersten Runde angetan und jetzt sitzen wir als erste Gäste am Tisch. Heute wird nicht geteilt, uns beiden läuft bei Kastanientagiatelle mit Vogolemuscheln und Pesto das Wasser im Munde zusammen. Dazu gibt es Caprese und gegrilltes Gemüse, hmmmmm...

Zufrieden füllen wir unsere Dosenbiervorräte auf, im Feinkostladen kosten die nämlich nur einen schlappen Euro pro Stück (wer sagt, dass man Bier und Wein nicht mischen kann?), und steigen in den Zug nach Vernazza. Hier drehen wir noch eine Abschiedsrunde, winken dem Meer und pflanzen uns auf die eigene Zitronen-Terrasse. Allerdings nur für gut eine halbe Stunde, denn Franz hat berechtigte Hoffnung, das RAI Uno das Champions-League-Halbfinale zwischen Barcelona und Inter überträgt. Fast hätte der belgische Schiri das Match verpfiffen, doch am Ende lachen die Italiener. Jetzt wird noch gepackt, denn morgen geht es weg von der Küste in die Toskana.

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