Heute endet unsere schöne Zeit in der Toskana. Bereits am Vorabend ging’s ordentlich ans Einpacken und Aufräumen, so dass am Morgen alles recht flott über die Bühne geht. Es regnet wieder in Strömen, also nichts wie weg von hier. Unserer Vermieterin Alessia den Schlüssel abgegeben, noch einen Abschiedslatte im Enj@y getrunken und einen Farewell-Schlenker durchs schöne Volterra getätigt: Arrivederci!
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Unsere letzte Etappe heißt Venedig. Das Wetter hat unsere Lust auf Zwischenstationen wie Parma, Bologna, Canossa, das „Don Camillo und Beppone“-Dorf oder sogar San Marino endgültig begraben. Eins lassen wir uns jedoch nicht vom Brot nehmen: den Hyper-Coop in Poggibonsi, der zum Glück auf dem Weg liegt. Chianti, Olivenöl, Bio-Polenta – wir schmeißen alles in den Wagen, was in Deutschland nicht schmeckt und/oder dort nicht so gut zu bekommen ist. Im Kofferraum müssen wir ordentlich umräumen, damit die vielen Glasflaschen die Alpen heile überstehen.
Das größere Problem sind jedoch zunächst wieder einmal die toskanischen Autobahnen. Die Fahrbahn-Krater bis Florenz kannten wir bereits. Zurück wird ab der Emilia Romana die Strecke viel besser, auch wenn’s wieder einmal hoch hinaus geht (diese Berge verschwinden hier auch nie). Ab Bologna nimmt der Verkehr endlich ab, in Venetien ist sogar tote Hose – und das breit dreispurig und auf flacher Strecke! Wir kommen ziemlich gut durch, doch dann leistet sich das sonst so treue Tom-Tom den ersten Aussetzer: Bei der Gabelung nach Mestre verliert das Navi auf einmal die Nerven. Yvonne geweckt, die uns ganz souverän und oldschool mit Karte aus der Patsche lotst. Da Venedig autofrei ist, muss man sein Gefährt außerhalb parken. Am Rande der Stadt kostet dies gut und gerne 20-30 € pro Tag. Bei drei Nächten läppert sich da ein stolzes Sümmchen. Unser Tipp: Mestre, die Nachbarstadt am Festland hat am Hauptbahnhof ein Riesenparkhaus, wo man wochentags für 8 € 24 h stehen darf. Der Zug bringt einen für 1 € dann nach Venedig, was wunderbar klappt, wenn man – egal wie - die Stazione einmal gefunden hat.
Kaum setzt man seinen ersten Fuß aus dem Bahnhof Venedig Santa Lucia heraus, fühlt man sich wie in einer anderen Welt. Venedig, der Canal Grande und deren Gondelverkehr und Brücken lacht uns an – wie man es sich so vorstellt und doch viel beeindruckender. Ein echtes Highlight zum Schluss unserer Reise und mal etwas ganz anderes! Yvonne ist euphorisiert! Wie praktisch, dass wir unseren Koffer nur gut dreihundert Meter weiter ins Hotel rollen müssen in Richtung des gleichnamigen San Geremia Platzes. Venedig ist ein heißes Pflaster was Übernachtungen angeht, oft hochpreisig, dabei selten hochklassig. Das lange Durchforsten der Onlinebewertungen hat sich jedenfalls gelohnt: Unser vergleichsweise günstiges Zimmer ist sauber und in Ordnung. WC & Bad sind auf dem Flur, aber jedes Zimmer hat sein eigenes. Beim Aufschließen die nächste Überraschung: Das Bad samt Wanne ist genauso groß wie unser Schlafraum und komfortabel. Alles richtig gemacht also!
Die Verfahrerei hat uns gut eine Stunde gekostet. Trotz aller Euphorie braucht Franz erst einmal etwas zu Essen. Wir spazieren weiter über die Bummelgassen und gehen in eines der ersten Lokale, das halbwegs in Ordnung scheint. Das „Touristenmenü“ hat uns der Einfachheit halber gelockt. Während man beispielsweise Lasagne oder Suppe plus Fischfilet mit Pommes oder Salat für 11,50 Recht günstig bekommt, verstecken sich die Kracher auf der Getränkekarte: Cola für neun Piepen? Nein, Danke. Dann lieber den Hauswein für die Hälfte und doppelt Fun. Den gab es vor allem bei der deutschen Übersetzung der Fischkarte: „Tintenfusch polante“ und unter der gemischten Meeresplatte einfach nur „Geiller Fisch“. Das Essen war sicher keine Offenbarung, aber entsprach unseren Bedürfnissen. So verlassen wir satt die Trattoria.
Während unseres Verdauungsspaziergangs wird der Regen immer heftiger. Schade, zu gerne hätten wir weiter unsere Neugier gestillt, doch Yvonne entdeckt zum Glück eine lebendige Enoteca, wo wir bei einem tollem Valpolicella kurz Unterschlupf suchen. Vielleicht probieren wir morgen die großartige Schinkenplatte aus, die die Gruppe vor uns getilgt hatte. Glas leer, weiter geht’s, doch nach unserer obligatorischen Eisdosis kommt es wieder Eimerweise runter. Also steuern wir gemächlich unterm Knirps Richtung Hotel zurück. Die Strecke zieht sich zwar und wir werden klatschnass, doch das macht nichts: Während unserer Runde sammeln wir umso mehr Eindrücke vom einzigartigen Venedig. Den Markusplatz sparen wir für morgen auf, die Ponte Rialto haben wir jedoch bereits einmal bei Nacht überquert. Jetzt haben wir fast alle „bebauten“ Brücken dieser Welt durch. Im benachbarten Irish Pub gibt es Sambucca und ein großes Bier auf die ungewollte Dusche, ehe wir uns gemütlich ins Zimmer verkriechen. Zum ersten Mal empfangen wir mit der ARD deutsches Fernsehen und fühlen uns bei „Maischberger“ und dem „Nachtmagazin“ wieder ein wenig mit der Heimat verbunden. Zum Gute-Nacht-Bloggen gibt’s Hitchcock. Spannend und schön wie unsere letzte Etappe.
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Dienstag, 4. Mai 2010
Samstag, 1. Mai 2010
09 San Gimignano – Volterra
Heute ist Feiertag, auch in Italien und bei uns. Wir schlafen gemütlich aus, drehen uns noch zweimal nach rechts und links bevor wir mit einem ausgiebigen Frühstück auf der einer unserer Terrassen den Tag beginnen. Neben Caprese, Fenchelsalami & Co gibt es den Kicker und eine Glamour – endlich Urlaub ;)!
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Gemütlich machen wir uns mittags auf nach San Gimignano, denn eine Stadt, die ein Sight an sich ist, erscheint uns an einem nationalen Feiertag ein gutes Ziel. Auf dem Weg herrscht heute reges Treiben, Salamander, Kröten und anderes Getier kreuzen unseren Weg. San Gimignano liegt wie Volterra auf einer Anhöhe und protzte im 14. Jahrhundert mit 72 Familien-Macht-Türmen, von denen heute noch 14 erhalten sind. Von weitem wird die Stadtsilhouette mangels Größenverhältnisvorstellung beim Betrachten gerne mit Manhattan verglichen. Heute hat San Gimignano, dass Yvonne vor 14 Jahren als verschlafenes Örtchen kennengelernt hat, leider tatsächlich was vom Big Apple, denn halb Italien und alle Touristen haben sich aufgemacht heute den innerhalb der Stadtmauern komplett mittelalterlichen Ort zu erkunden.
Es ist ein Geschiebe wie auf dem Weihnachtsmarkt und wie dort bieten auch alle Geschäfte ungefähr das gleiche an, nämlich im Wechsel Wurst, Wein & Gebäck, dann bemalte Keramik, dann Trikots und merkwürdige Geschmacklosigkeiten bevor es wieder losgeht mit Wurst...
Zumindest kommt hier keine Einsamkeit auf, ein Gefühl, dass wir von unserer Villa kennen, bei der wir uns beide einig sind, dass wir alleine dort nicht wohnen wollen würden. Wir schlängeln also weiter durch die Gassen von San Gimignano, haben aber schon nach zwei Stunden genug und begeben uns zurück nach Volterra, um im Internetcafé des Ortes unseren Blog zu aktualisieren und mal zu gucken wie teuer die Twilight-Führung ist, bzw. was diese umfasst.
Genau um 18.°° Uhr, also mit Toresschluss, betreten wir die Touristikzentrale. Die Twilight-Tour soll 30 Euro pro Person kosten und zeigt einige Stationen des Films, wie ein paar mysteriöse Orte, zu denen sich die Österreichische Angestellte nicht näher auslassen will. Dafür sichert sie mir freudig ein Interview am nächsten Morgen zu, betont, dass der Spiegel, die Zeit und RTL ja auch gerade da waren (O-Ton: „Ich will ja nicht protzen..“) und sorgt dafür, dass wir gratis noch schnell zur gerade begonnenen Führung dazustoßen können. Unsere Guide ist Niederländerin aus Den Bosch, die bereits 30 Jahre in Volterra wohnt, und sich sehr darüber freut mit Franz kleine Schwätzchen auf Holländisch zu halten.
Ansonsten „folgen“ wir dem Weg, den Alice Cullen mit dem gelben Porsche im Film „New Moon“ zurückgelegt hat. Der Rest wurde, obwohl das Buch ausschließlich von Volterra ausgeht, in Montepulciano gedreht. Darüber wird in der Führung aber lässig hinweggegangen, stattdessen führt man die Meute in dunkle Gassen die „vampirgeeignet sein könnten“ und macht das aber ganz charmant. Toll ist, dass wir so die alten römischen Amphitheateranlagen zu sehen bekommen, die wir zuvor im Alleingang nicht gefunden hatten. Volterra ist nämlich von Erdrutschen bedroht und bei einem dieser Erdrutsche vor 60 Jahren wurde diese römische Stätte entdeckt. Überhaupt ist Volterra wirklich interessant, da hier Etruskerzeit (ab 800 v. Chr.), römisches Imperium, Mittelalter und Renaissance sichtbar ihre Spuren hinterließen.
Schließlich wird die Gruppe unter Tage geführt, in einen Hintereingang der auffällig mit dunkelroten Fahnen markiert ist und in etruskischer Schrift „Volturi“ überm Eingang trägt. Klarer Fall, hier ist der geheime Eingang zum Reich der Vampire. Dunkel genug ist es jedenfalls und daher auch irgendwie richtig lebensgefährlich, denn die unregelmäßigen, alten Stufen führen tief hinab in einen Keller und man sieht die Hand vor Augen nicht. Dazu erklingt „Claire de Lune“ von Debussy, ein weiteres Twilight-Schmankerl. Unten angekommen wird offensichtlich das enge Kellergewölbe mit einer Kette verschlossen und nur ein paar Kerzen geben die Sicht frei auf zwei in schwarze Umhänge gewandete Gestalten. Diese schwärmen jetzt aus, um sich einzelne aus der Touristengruppe auszusuchen und beweisen guten Geschmack, indem sie als allererstes Francois auswählen, der als einziger in der ganzen Gruppe von Tuten und Blasen in Sachen Twilight keine Ahnung hat. Er wird einem dritten Schwarzkittel übergeben, der seine Hände schweigend ausgiebig betrachtet und ihn dann auf einen alten Stuhl im Hintergrund führt. Die Szene hat was von gruftigen Hänsel und Gretel, aber auch das geht vorbei, das Licht geht etwas an und wir sehen, dass wir uns in einer Kneipe befinden, wo jetzt Wein, Wurst & Gebäck angeboten wird, während sich die Twilight-Fans auf einer Wand verewigen dürfen und die Volturi-Studenten etwas verloren in ihren schwarzen Umhängen rumstehen. Franz wollte auf den Schrecken nur ein kleines Schlückchen „Blutwein“ haben, weil er ja noch fahren müsste, wie er dem Kellner mitteilt. Der bemerkt nur „es gibt auch andere Probleme“ und macht das Glas randvoll.
Mit etwas Verzögerung kommen wir schließlich im Enj@y-Café an, wo’s endlich ans Bloggen geht, begleitet von italienischen Fußballübertragungen. Nach getaner Tat gondeln wir zurück in unser Villen-Nest und kochen uns Telefonschnur-Spaghetti mit Restesoße, die ganz hervorragend schmecken, dazu gibt es einen Ruffino aus der Region.
Unsere ursprüngliche Planung morgen die Therme di Saturnia – natürliche Schwefelquellen auf Tuffsteintreppen-Wasserfall, Pitigliano, eine Tuffsteinstadt, und den Niki de Saint Phalle-Garten zu machen, lassen wir bedauernd fallen und schwächeln doch mal, denn das hieße mindestens 7-8 Stunden Autofahrt morgen und das ist auf den gefährlichen Landstraßen kein Urlaub, sondern eher eine Strafe. Diese Punkte seien interessierten Italien-Urlaubern aber trotzdem sehr ans Herz gelegt. Mal gucken was uns morgen stattdessen einfällt.
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Gemütlich machen wir uns mittags auf nach San Gimignano, denn eine Stadt, die ein Sight an sich ist, erscheint uns an einem nationalen Feiertag ein gutes Ziel. Auf dem Weg herrscht heute reges Treiben, Salamander, Kröten und anderes Getier kreuzen unseren Weg. San Gimignano liegt wie Volterra auf einer Anhöhe und protzte im 14. Jahrhundert mit 72 Familien-Macht-Türmen, von denen heute noch 14 erhalten sind. Von weitem wird die Stadtsilhouette mangels Größenverhältnisvorstellung beim Betrachten gerne mit Manhattan verglichen. Heute hat San Gimignano, dass Yvonne vor 14 Jahren als verschlafenes Örtchen kennengelernt hat, leider tatsächlich was vom Big Apple, denn halb Italien und alle Touristen haben sich aufgemacht heute den innerhalb der Stadtmauern komplett mittelalterlichen Ort zu erkunden.
Es ist ein Geschiebe wie auf dem Weihnachtsmarkt und wie dort bieten auch alle Geschäfte ungefähr das gleiche an, nämlich im Wechsel Wurst, Wein & Gebäck, dann bemalte Keramik, dann Trikots und merkwürdige Geschmacklosigkeiten bevor es wieder losgeht mit Wurst...
Zumindest kommt hier keine Einsamkeit auf, ein Gefühl, dass wir von unserer Villa kennen, bei der wir uns beide einig sind, dass wir alleine dort nicht wohnen wollen würden. Wir schlängeln also weiter durch die Gassen von San Gimignano, haben aber schon nach zwei Stunden genug und begeben uns zurück nach Volterra, um im Internetcafé des Ortes unseren Blog zu aktualisieren und mal zu gucken wie teuer die Twilight-Führung ist, bzw. was diese umfasst.
Genau um 18.°° Uhr, also mit Toresschluss, betreten wir die Touristikzentrale. Die Twilight-Tour soll 30 Euro pro Person kosten und zeigt einige Stationen des Films, wie ein paar mysteriöse Orte, zu denen sich die Österreichische Angestellte nicht näher auslassen will. Dafür sichert sie mir freudig ein Interview am nächsten Morgen zu, betont, dass der Spiegel, die Zeit und RTL ja auch gerade da waren (O-Ton: „Ich will ja nicht protzen..“) und sorgt dafür, dass wir gratis noch schnell zur gerade begonnenen Führung dazustoßen können. Unsere Guide ist Niederländerin aus Den Bosch, die bereits 30 Jahre in Volterra wohnt, und sich sehr darüber freut mit Franz kleine Schwätzchen auf Holländisch zu halten.
Ansonsten „folgen“ wir dem Weg, den Alice Cullen mit dem gelben Porsche im Film „New Moon“ zurückgelegt hat. Der Rest wurde, obwohl das Buch ausschließlich von Volterra ausgeht, in Montepulciano gedreht. Darüber wird in der Führung aber lässig hinweggegangen, stattdessen führt man die Meute in dunkle Gassen die „vampirgeeignet sein könnten“ und macht das aber ganz charmant. Toll ist, dass wir so die alten römischen Amphitheateranlagen zu sehen bekommen, die wir zuvor im Alleingang nicht gefunden hatten. Volterra ist nämlich von Erdrutschen bedroht und bei einem dieser Erdrutsche vor 60 Jahren wurde diese römische Stätte entdeckt. Überhaupt ist Volterra wirklich interessant, da hier Etruskerzeit (ab 800 v. Chr.), römisches Imperium, Mittelalter und Renaissance sichtbar ihre Spuren hinterließen.
Schließlich wird die Gruppe unter Tage geführt, in einen Hintereingang der auffällig mit dunkelroten Fahnen markiert ist und in etruskischer Schrift „Volturi“ überm Eingang trägt. Klarer Fall, hier ist der geheime Eingang zum Reich der Vampire. Dunkel genug ist es jedenfalls und daher auch irgendwie richtig lebensgefährlich, denn die unregelmäßigen, alten Stufen führen tief hinab in einen Keller und man sieht die Hand vor Augen nicht. Dazu erklingt „Claire de Lune“ von Debussy, ein weiteres Twilight-Schmankerl. Unten angekommen wird offensichtlich das enge Kellergewölbe mit einer Kette verschlossen und nur ein paar Kerzen geben die Sicht frei auf zwei in schwarze Umhänge gewandete Gestalten. Diese schwärmen jetzt aus, um sich einzelne aus der Touristengruppe auszusuchen und beweisen guten Geschmack, indem sie als allererstes Francois auswählen, der als einziger in der ganzen Gruppe von Tuten und Blasen in Sachen Twilight keine Ahnung hat. Er wird einem dritten Schwarzkittel übergeben, der seine Hände schweigend ausgiebig betrachtet und ihn dann auf einen alten Stuhl im Hintergrund führt. Die Szene hat was von gruftigen Hänsel und Gretel, aber auch das geht vorbei, das Licht geht etwas an und wir sehen, dass wir uns in einer Kneipe befinden, wo jetzt Wein, Wurst & Gebäck angeboten wird, während sich die Twilight-Fans auf einer Wand verewigen dürfen und die Volturi-Studenten etwas verloren in ihren schwarzen Umhängen rumstehen. Franz wollte auf den Schrecken nur ein kleines Schlückchen „Blutwein“ haben, weil er ja noch fahren müsste, wie er dem Kellner mitteilt. Der bemerkt nur „es gibt auch andere Probleme“ und macht das Glas randvoll.
Mit etwas Verzögerung kommen wir schließlich im Enj@y-Café an, wo’s endlich ans Bloggen geht, begleitet von italienischen Fußballübertragungen. Nach getaner Tat gondeln wir zurück in unser Villen-Nest und kochen uns Telefonschnur-Spaghetti mit Restesoße, die ganz hervorragend schmecken, dazu gibt es einen Ruffino aus der Region.
Unsere ursprüngliche Planung morgen die Therme di Saturnia – natürliche Schwefelquellen auf Tuffsteintreppen-Wasserfall, Pitigliano, eine Tuffsteinstadt, und den Niki de Saint Phalle-Garten zu machen, lassen wir bedauernd fallen und schwächeln doch mal, denn das hieße mindestens 7-8 Stunden Autofahrt morgen und das ist auf den gefährlichen Landstraßen kein Urlaub, sondern eher eine Strafe. Diese Punkte seien interessierten Italien-Urlaubern aber trotzdem sehr ans Herz gelegt. Mal gucken was uns morgen stattdessen einfällt.
Donnerstag, 29. April 2010
07 Pisa – Lucca – Volterra
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Für unsere Weiterfahrt in die Toskana braucht Yvonne ganz dringend fünf frisch gepflückte Limonen aus Bartolomes (Herkules’ Sohn) Garten. Frisch sind wir bereits bei der Ankunft am Auto nicht mehr, denn mehr als eine Kilometer zerren wir unsere Koffer steil bergauf. Autofreie Zonen können auch ihre Nachteile haben. Immerhin haben wir so unser Workout schon am Vormittag hinter uns.
BMFY hatte genug Zeit zum Ausruhen, denn jetzt geht es wieder die Korkenzieher-Straße hoch und runter. An den Kreide-Anfeuerungen auf dem Asphalt erkennt man, dass hier die Giro d’Italia entlang flitzte. Das sagt alles über das Bergprofil aus. Streng genommen ist die Achterbahn bis La Spezia auch nur ein Fahrradweg – von der Breite her. In La Spezia, was Yvonne streckenweise an die Cote d’Azur erinnert, dann wieder an Rotterdam, sagen wir Ligurien „Bella Ciao!“ und tauchen ein in die Toskana, wo die Berge immer noch nicht verschwinden und wir eine erste Studie in Pisa durchführen.
Pisa ist in dem Sinne toll, weil alle Sights auf einem Haufen, dem Piazza dei Miraculi, zu finden sind: Auf der einen Seite der schiefe Turm (der ist wirklich ein bissle schräg), das Baptisterium und der Duomo, auf der anderen Seite der Touristen-Nepp aus Fernost. Die Trikots hier sind so schlecht gefälscht, dass selbst Franz die Finger davon lässt. Bereits am Parkplatz will man uns eine „natürlich echte“ Rolex andrehen (die Leute müssen da echt gut verdienen, wenn sie mit 40 Stück am Arm herumlaufen...), doch wir sind Turbotouristen und drehen einfach nur die obligatorische Runde, schießen die klassischen Fotos und sitzen nach weniger als einer Stunde schon wieder im Saab in Richtung Lucca.
Das etwa dreißig Kilometer entfernte Lucca ist quasi das Gegenteil von Pisa. Das historische Zentrum ist groß, die Stadt an sich ist ein Gesamtkunstwerk und von Nepp verschont, alles ist echt und nicht überlaufen. Studenten radeln durch die Fußgängerzone, hier ein Puccini-Denkmal, an der nächsten Ecke ein neues imposantes Gebäude. Highlight ist ein perfekt ovaler Marktplatz, der auf den Ruinen eines alten römischen Amphitheaters gebaut wurde. La Dolce Vita bei strahlendem Sonnenschein, in diesem Idyll gönnen wir uns in Ruhe einen kleinen Snack mit doppeltem Latte Macchiato und gehen nach zwei Stunden zurück zum Auto. Die Besonderheit: Lucca ist umringt von einer intakten Stadtmauer, auf der man laufen kann.
Bei Volterra wollen wir unser Quartier beziehen. Über das Internet haben wir ein kleines Ferienhäuschen für ein paar Tage gemietet. Volterra bot sich deshalb an, weil man von hier aus wunderbar sternförmig alle Ecken der Toskana anfahren kann. Nach den Alpen und den Serpentinen in Ligurien, schockt Franz nichts mehr, schon gar nicht die 70 Kilometer über Landstraßen-Alleen. Das Wetter ist herrlich, der Verkehr hält sich in Grenzen. Eine Kurve folgt der nächsten, die Strecke ist hügel- aber nicht bergig, und das typische Bilderbuch-Toskana-Panorama erstreckt sich bis zum Horizont. Die Straße gehört uns: Easy-Rider-Feeling und das Radio rockt mit.
Apropos: Die Radiosender sind ziemlich gewöhnungsbedürftig: 99% von ihnen spielen nur Songs bis 1982, senden Dauerwerbung und/oder quatschen die ganze Zeit. Ausnahmen sind: Radio Maria, wahrscheinlich direkt aus dem Vatikan. Der Sender ist komplett kirchlich und wer will kann um Punkt 12 Kirchenglockengebimmel auf der Autobahn bekommen. Wir bevorzugen aber Radio Virgin, hier gibt es immerhin 30% Songs, die nicht zuerst auf Vinyl erschienen sind. Skurril die Sendung „Rock in Translation“. Bekannte Lieder werden vorweg über der Musik ins italienische Übersetzt und das mit möglichst viel Pathos, um die selbe Stimmung einzufangen. „Wicked Game“ bekommt so eine höchst anzügliche Note.
Tom-Tom (Mille Grazie, Claire!) findet die angegebene Adresse der Villa Loghino bis zur letzten Kreuzung problemlos, aber dann... Sagen wir so: Wir kennen jetzt alle unsere hilfsbereiten italienischen Nachbarn (samt Hunden). Bei der vierten Kieseinfahrt sind wir endlich richtig. Das langgezogene Natursteinhaus unterteilt sich in mehrere kleine Ferienwohnungen und ein Haupthaus. Am Pool wird gerade wohl gearbeitet. Die Vermieterin Alessia ist nett aber verpeilt. Mit Händen und Füßen klappt die Verständigung jedoch wie immer. Neben uns nächtigt eine deutsche Familie aus BB, wie am S-Klasse AMG Benz (vier Auspuffrohre!) abzulesen ist. Hier hat man seine Ruhe, nachts ist es sehr dunkel, selbst der tiefe Vollmond trägt heute dunkelorange.
Nach unserer Ankunft ziehen wir schon wieder weiter, nämlich ins 8 km entfernte Volterra. Die Etruskerstadt (2500 Jahre alt!) ist eine der höchstgelegenen der Toskana. Die Aussicht bei der automobilen Besteigung ist wie gemalt. Hier kriegen die Reiseführer also ihre Landschaftsbildchen her...
Wir parken BMFY in die (nicht 2500 Jahre alte) Tiefgarage und begeben uns auf Nahrungssuche. Dabei streifen wir gaaaaaanz zufällig die Piazza dei Priori. Twilightsichere wissen natürlich sofort, dass es sich hier um den Hauptsitz der königlichen Volturi-Vampirfamilie handelt. Das weiß auch die Touristikzentrale, die hier mit entsprechenden abendlichen Führungen wirbt, um den Fans die Hoffnung auf ein paar bissige Eindrücke nicht zu nehmen. Franz möchte an dieser Stelle noch einmal betonen, dass WIR NICHT DESHALB HIER UNSER QUARTIER AUFSCHLAGEN. Yvonne sagt, nehmen wir trotzdem mit und plant ein spontanes Interview mit einem englischkundigen Touristikvampir. Ansonsten ist Volterra bis auf ein paar dezente Schaufensterauslagen vom Boom verschont geblieben. Die Stadt ist steinalt und größer als gedacht, vor Christus war Volterra sogar dreimal so groß wie heute. In den alten Gemäuern reihen sich nette Geschäfte, auf der Straße herrscht lebendiges Treiben.
Nach einer Runde entscheiden wir uns für eine typisch toskanische Trattoria, wo wir unseren Hunger auf Steak mit Salat stillen, wobei wir uns nur aufwärmen für die Königsmahlzeit, das Florentiner Steak, doch zu diesem Brocken morgen mehr. Nach einem Verdauungsspaziergang mit dem obligatorischen Eis gönnt sich auch Tom-Tom mal eine Auszeit.
In unserem Häuschen packen wir unsere Sachen aus, schauen die Fotos des Tages an (wie waren heutemorgen noch tatsächlich in Vernazza...), bloggen und gönnen uns ein (oder zwei) Gläschen Chianti. Gleich heißt es: Florenz vorbereiten, denn die Hauptstadt der Region steht morgen an.
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